Artikel
Mitglieder
Bericht zur Deutschen Meisterschaft 2010
Viel Freude und noch mehr Tränen – Die Deutsche Meisterschaft im Rock’n’Roll 2010
Lange war der Verfasser dieser Zeilen auf keinem Rock’n’Roll Turnier mehr. Warum auch, kann man doch alles Interessante kurze Zeit später auf Rockztube begutachten. Aber eine Deutsche Meisterschaft in Bayern, insbesondere in Landsberg, wo man sich auf eine gute Organisation verlassen kann, lässt man natürlich nicht aus.
Und so wird diese Deutsche Meisterschaft im Rock’n’Roll 2010 nun aus dem Blickwinkel eines ehemals in der Tat fanatischen Tänzers und inzwischen mit ausreichend Abstand zur Szene ausgestatteten Gelegenheitstrainers geschildert:
Wow –bereits nachmittags war die Halle ganz schön voll, als das Turnier mit den Vorrunden startete.
Viele Zuschauer auf den Tribünen, unglaubliches „Gewusel“ an den Hallenseiten, wo Schülerpaare, ihre Trainer, Betreuer und Eltern(!) um die besten Plätze für‘s WarmUp buhlten. Solche Dinge sieht man ja im online Videoportal nicht, live hingegen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass inzwischen auch in Deutschland ehemals osteuropäische Gebräuche Einzug hielten, was vor allen Dingen das Outfit unserer jüngsten Rock’n’Roller angeht. Da sieht man schon mal 12-jährige Jungs mit Hemden offen bis zum Bauchnabel nebst 11-jährigen Partnerinnen in halterlosen Strümpfen mit Spitzenrand. Da scheint der Autor wohl in seiner Turnierabstinenz eine Entwicklung verschlafen zu haben – und das ist auch gut so!
Sportlich hingegen gefiel die Schülerklasse von Anfang an bis hin zum Finale. Abwechslungsreiche Choreographien, mit sauberer Technik vorgetragen, was letztlich mit stimmiger Wertung zu einem verdienten Landsberger Doppelsieg führte. Kerstin Gunesch und Mathias Neuner dominierten die ganze Saison über und wurden nun auch Deutscher Meister der Schüler. Die erste Marke wurde von den Hausherren gesetzt und es sollte noch einiges folgen.
Auch bei den Junioren gab es nach Vor- und Zwischenrunde keine Überraschungen beim Finaleinzug. Dem Zuschauer bot sich eine Fülle an unterschiedlichen Stilrichtungen, die sich in Kleidung, Musikauswahl und natürlich in choreographischen Leckerbissen darbot, die sich nach Ansicht des Schreibenden in keiner weiteren Klasse in dieser Vielfalt und Qualität des Gezeigten wiederholte. Im Vorfeld hatten wohl die wenigsten damit gerechnet, dass auch bei den Junioren ein Landsberger Paar den Sprung aufs Treppchen schaffen würde, doch Platz Drei ging an die Ausrichter. Glückwunsch! Der erwartete Zweikampf zwischen den Pfarrkirchner Geschwistern und dem Kauferinger Paar fand tatsächlich statt. Doch trotz der vielen unschönen und unfairen Äußerungen gegen die beiden in der Vorwoche zur DM ließen sich Chantal und Pascal Roos nicht beirren, zeigten eine ihrer besten Saisonleistungen und wurden, wenn auch äußerst knapp, Deutscher Meister der Junioren.
Nachdem die Siegerehrung der Schüler und Junioren nach einer etwas zu langen Einlagenpause nun – man möchte sagen endlich, denn es war inzwischen nach 21.00 Uhr – zu Ende ging, wartete die Halle gespannt auf die Finals der „großen“ Rock’n’Roller.
Das C-Finale war schließlich sehr weiß-blau gefärbt, die ersten drei Plätze sogar aus dem Großraum Ingolstadt. Verdiente Sieger auch hier in Konsequenz der Saisonleistung Carola Baum und Sascha Lang vom Casino. Landsberg hatte kein C-Paar auf dem Treppchen – Unglaublich ;-)
Aber dafür in der B-Klasse: Mit Wildcard ins Feld gestartet marschierten die Deutschen Meister der Junioren 2009 Nina Sailer und Tobias Planer durch die B-Klasse und durch diesen Wettkampf. Dass beide gut sind, darin bestand kein Zweifel. Dass sie aber an diesem Abend tatsächlich noch mal zulegen konnten und sowohl in Fußtechnik- als auch Akrobatikrunde solch gute Leistungen zeigten, um nun auch den nationalen Titel in der B-Klasse erringen zu können ist mehr als respektabel.
Was die Titelvergabe in der A-Klasse anging, so waren sich sowohl Experten als auch der gemeine Zuschauer auf den Rängen einig, dass an Verena Rau und Andreas Heidler nur schwer ein Weg vorbeiführen würde. Und so wurden die beiden ihren eigenen und den Erwartungen aller anderen mehr als gerecht, zeigten eine hervorragende akrobatische Leistung und gewannen nach 2008 souverän ihren zweiten Titel und sind erneut Deutscher Meister im Rock’n’Roll.
Nebenbei bemerkt sind die beiden aus Landsberg, genauso wie die neuen Vizetitelträger, was wohl die allergrößte Überraschung des Abends bedeutete. Selbst der Verfasser hatte nach den gesehenen Finalrunden eine andere Konstellation auf dem Siegertreppchen vor Augen, als die, die sich ihm letztlich bot. Nach anschließendem Studium des Regelwerks war die Entscheidung zwar begreifbar, erschien dadurch jedoch nicht richtiger.
An dieser Stelle muss auch ein Berichtender in die Subjektive wechseln um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe hohen Respekt vor der Leistung der deutschen Vizemeister. Vor dem Hintergrund der Trainingszeit bin ich der Meinung, dass hier insbesondere tänzerisch aber auch akrobatisch eine sehr solide und sichere Leistung gezeigt wurde, was ich persönlich auch nicht jedem Paar in diesem Finale zu attestieren vermag. Dennoch glaube ich, dass ein akrobatischer Schwierigkeitsgrad auch in Verbindung mit den dadurch einhergehenden berechenbaren Risiken eine Bewertung erfahren muss, die sich im Gesamtergebnis wiederspiegelt. Wenn das Wertungssystem dies nicht leistet, muss es abgeändert werden, denn sonst - so behaupte ich - werden noch weniger Paare die erforderlichen Trainingsbelastungen auf sich nehmen und die internationale Standardleistung wird absolut unerreichbar.
Der geneigte Leser wird sich nun fragen, was es mit dem Titel dieses Aufsatzes auf sich hat. Gefreut haben sich alle Deutschen Meister. Bedenklich allerdings erscheint die Tatsache, dass viele deutsche Vizemeister Tränen geweint haben, die keine Freudentränen waren. Auch im Rock’n’Roll stellt man sich einem sportlichen Wettkampf, bei dem die grundsätzliche Möglichkeit des Verlierens besteht. Dies scheinen jedoch einige Sportler, aber was noch viel bedenklicher ist, einige Eltern vergessen zu haben. Selbst früher vom Ehrgeiz schier zerfressen erschrickt der Verfasser heute ob seines erwähnten Abstandes zum Wettkampfgeschehen vor dieser Entwicklung und wünscht sich faire und sportlich hochklassige Rock’n’Roll Turniere, sodass es auch weiterhin Freude bereiten wird, auf eine Meisterschaft zu fahren.
Marcus Hubert
RockzTube bedankt sich herzlich bei Marcus Hubert für diesen ausführlichen Bericht (-> Nutzungsbestimmungen).
|
|